01.07.2019

Pflichten und Geheimcodes kennen

Arbeitszeugnisse

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Ein Arbeitszeugnis soll darüber Auskunft geben, was Bewerberinnen und Bewerber bereits geleistet und wie sie sich in der beruflichen Praxis bewährt haben. Arbeitgeber sind jedoch dazu verpflichtet, das Zeugnis wohlwollend zu formulieren, um die künftigen Chancen des Arbeitnehmers nicht mehr als nötig zu beeinträchtigen. Doch auch die freundlichen Formulierungen können ihre Tücken haben.

Qualifizierte Zeugnisse

Qualifizierte Arbeitszeugnisse informieren über Arbeitsaufgaben, Anforderungen und Arbeitsergebnisse (Bewertungen). Folgende Punkte sollten dabei abgehandelt werden: körperliches und geistiges Leistungsvermögen, Fachkenntnisse, Arbeitsqualität, Arbeits- und Verantwortungsbereitschaft, Verhandlungsgeschick, Ausdrucksvermögen, Durchsetzungsfähigkeit und Entscheidungsbereitschaft. Daneben enthalten qualifizierte Arbeitszeugnisse auch Aussagen über die Führung des Mitarbeiters inklusive des Sozialverhaltens gegenüber den Vorgesetzten, Kollegen, den nachgeordneten Mitarbeitern und Dritten, wie zum Beispiel Kunden und Lieferanten.

Ein Arbeitszeugnis muss der Wahrheit entsprechen. Einmalige negative Ereignisse, welche die Persönlichkeit des Arbeitnehmers nicht nachhaltig charakterisieren, dürfen nicht erwähnt werden. Aus dieser Wahrheitspflicht folgt auch, dass ein Arbeitszeugnis nicht missverständlich oder mehrdeutig sein darf. Ausschlaggebend ist dabei, wie ein zukünftiger Arbeitgeber die jeweilige Formulierung verstehen muss. Diese gesetzlichen Regelungen haben allerdings auch dazu geführt, dass die auf den ersten Blick freundlichen Formulierungen ihre Tücken haben.

Geheimcodes

Die Verpflichtung, in Arbeitszeugnissen positiv zu formulieren, hat die mittlerweile bereits berüchtigten Geheimcodes zur Folge. Die Tücke lauert hier oft im Detail, so wie auch bei der Gesamtbewertung des Arbeitnehmers. Schlechter als die Schulnote "befriedigend" dürfen Arbeitszeugnisse nicht ausfallen. "Zu unserer vollsten Zufriedenheit" erfüllte Aufgaben gelten gemeinhin als Schulnote "sehr gut". Heißen kann es auch "stets und in jeder Hinsicht zu unserer vollen Zufriedenheit". Oder: Er/Sie

  • war stets bemüht, die Aufgaben zu erfüllen (hat es aber nie geschafft).
  • war bei seinen Kollegen beliebt (hat immer viel gequatscht).
  • verfügt über ein gesundes Selbstvertrauen (arrogant bis dort hinaus).
  • zeigte gutes Einfühlungsvermögen bei Kolleginnen/en (flirtete gerne).
  • konnte Aufgaben gut delegieren (war selbst aber faul).
  • war bei Kunden sehr beliebt (konnte nicht verhandeln).
  • ging Aufgaben mit großen Elan an (brachte aber nichts zustande).
  • konnte seine Meinung gut vertreten (kritikunfähig und renitent).

Viel wichtiger aber als scheinbar verwendete Geheimcodes ist jedoch, dass das Zeugnis insgesamt stimmig und angemessen formuliert ist. Wenn die Aufgaben beschrieben und durchweg positiv beurteilt worden sind, spricht das auf jeden Fall dafür, dass der Arbeitgeber zufrieden war. Wenn aber im Zeugnis floskelartig überwiegend Nebensächliches betont wird, dann können Bewerber und potenzielle Arbeitgeber davon ausgehen, dass es kein gutes Arbeitszeugnis ist.

Klagerecht

Wenn das Zeugnis nicht richtig ist oder formale Mängel hat, kann der Arbeitnehmer auf Erteilung eines berichtigten oder formal einwandfreien Zeugnisses klagen. Allerdings wird dem Arbeitgeber bei der Erteilung eines Arbeitszeugnisses ein großer Beurteilungsspielraum eingeräumt. Der Spielraum für eine gerichtliche Korrektur des Zeugnisses ist daher nicht gerade hoch. Kaum Chancen hat ein Arbeitnehmer, der ein überdurchschnittliches Zeugnis erstreiten möchte. Eher möglich ist es, ein unterdurchschnittliches Zeugnis in ein durchschnittliches zu verbessern.

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