Emscher-Lippe-Talk

29.11.2019

Birgit Düsterloh, Baker Tilly, Dortmund

Unternehmensnachfolge im Mittelstand - strategische Aspekte

Wirtschaftsprüferin und Steuerberaterin Birgit Düsterloh, Partner Baker Tilly, Standort Dortmund, im Gespräch mit mittelstand-emscher-lippe.de

Frau Düsterloh, Sie betreuen als Partner bei der Kanzlei Baker Tilly am Standort Dortmund einige Nachfolgemandate. Wie wichtig ist das Thema für den Mittelstand?

Sehr wichtig! Es wird leider von vielen Unternehmerinnen und Unternehmern immer noch unterschätzt. Wir haben in Deutschland rund 3,4 Millionen Familienunternehmen, davon müssen etwa 100.000 Unternehmen bis 2022 ihre Nachfolgefrage klären. 20 Prozent dieser Fälle befinden sich allein in NRW. Die strategische, steuerliche und rechtliche Begleitung von Nachfolgeprojekten ist daher in unserer international aufgestellten Kanzlei ein wichtiger Leistungsbaustein. In Deutschland gehören wir mit über 1.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und 100 Partnern zu den führenden Wirtschaftskanzleien im Mittelstand.

Was sind die Erfolgsfaktoren für eine gelungene Unternehmensnachfolge?

Zunächst ist zu klären, ob eine Nachfolge innerhalb der Familie oder über externe Lösungen erfolgen soll. Wenn Kinder oder andere Familienangehörige da sind, müssen die auch nachfolgen wollen und können. Wichtig ist daher ein möglichst früher Beginn der Nachfolgesuche und ein offener und ehrlicher Umgang damit in der Familie. Die eigene Nachfolge frühzeitig zu initiieren, fällt vielen Unternehmerinnen und Unternehmern schwer. Das Thema ist häufig stark emotional besetzt. Das Loslassen fällt schwer. Denn es geht immer auch um das eigene Lebenswerk.

Wann sollte denn die Nachfolgeplanung idealerweise beginnen?

Das ist von Fall zu Fall unterschiedlich. Manche sind auch noch mit 60 fit und vital. Von der Konzeption bis zur Übertragung können aber schon drei bis zehn Jahre vergehen. Die konkrete operative Überleitung sollte mindestens 12 Monate vorher beginnen. Daher ist ein Beginn der Nachfolgeplanung, die immer auch ein einmaliges unternehmerisches Projekt ist, im Alter von rund 50 Jahren zu empfehlen. Dann ist noch genügend Zeit, um auch mögliche erbrechtliche und steuerliche Gestaltungsspielräume auszunutzen.

Welche strategischen Nachfolgeoptionen gibt es bei Familienlösungen

Generell gibt es zwei Modelle. Beim sogenannten Kronprinzenmodell wird nur eine Person aus dem Familienkreis Nachfolgerin oder Nachfolger. Beim Textilhersteller Trigema aus Baden-Württemberg zum Beispiel verfolgt der Inhaber Wolfgang Grupp - wie aus der Presse ersichtlich ist - dieses Prinzip. Er lässt seine beiden Kinder aktuell in führenden Positionen im Unternehmen in einer Art Wettbewerb arbeiten und entscheidet sich dann in nächster Zeit für die aus seiner Sicht beste Lösung. Die nicht zum Zuge kommenden Familienangehörigen werden dann finanziell anderweitig entschädigt. Beim sogenannten Stammesprinzip werden dagegen alle relevanten Familienzweige sinnvoll eingebunden. Welches Nachfolgemodell passt, ist jedoch immer firmenspezifisch zu entscheiden. Es gibt auch viele Lösungen in den Zwischenbereichen. Auch Stiftungen können eine Wahl sein.

Unabhängig vom Nachfolgemodell generell wichtig ist die rechtzeitige Einarbeitung der familieninternen Nachfolger, aus fachlicher Sicht, aber auch um Vertrauen bei Mitarbeitern und Stakeholdern aufzubauen.

Was ist, wenn es in der Familie keine Nachfolgelösung gibt?

Etwa in 50 Prozent aller Nachfolgefälle gibt es externe Lösungen. So können geeignete Führungskräfte aus dem Unternehmen, die auch das Vertrauen der Firmeninhaber genießen, in einem Management-Buy-Out (MBO) oder Externe in einem Management-Buy-In (MBI) die Nachfolge antreten. Ist auch das nicht möglich, bietet sich der Verkauf des Unternehmens an Wettbewerber oder Investoren an.

Welche Empfehlungen aus Ihrer Beratungspraxis können Sie zum Abschluss geben?

In unseren Nachfolgemandanten hat sich immer ein planvolles Ausscheiden bewährt. Senioren müssen sich eine neue Lebensaufgabe suchen und ihre Nachfolger/in frühzeitig machen lassen. Wer sich nicht vollständig aus dem Geschäft verabschieden will, kann dem Familienunternehmen z. B. noch als Beirat verbunden bleiben. Wichtig ist auch, sich früh mit der erbrechtlichen Gestaltung der Nachfolge zu beschäftigen, damit es beim plötzlichen Tod oder bei schwerer Krankheit nicht zu einer unvorbereiteten Notsituation kommt. Dazu gehört auch ein Notfallordner, woraus alle wichtigen Dinge zum Fortführen des Unternehmens hervorgehen.

Wir bedanken uns für das Gespräch Frau Düsterloh.

Frau Düsterloh hielt zu diesem Thema bei unserem Netzwerkabend am 19.11.2019 bei der Volksbank Marl-Recklinghausen eG einen Vortrag. Fotoimpressionen finden Sie hier.

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